Ja, das ist wohl sowieso in mehrfacher Hinsicht eine der Bilanzen dieser ganzen Neuseelandsache.
In diesem Eintrag geht es aber im Speziellen um...ja, um das Ende meines Lebens auf den Highways down under. Das Ende des Lebens in einem Lastkraftwagen mit Kind und Kegel, Pferd und Hund.
Die letzte gemeinsame Reise ist gereist, gut 6.000 Kilometer (wir können auch nur grob schätzen, der Kilometerzähler tut´s nicht wirklich) und 2 1/2 Monate waren dieses Vehikel und seine Insassen mein Zu Hause.
Im Gedenken an diese großartige Zeit sitze ich nun auf dem Sofa neben der Heizung, eingewickelt in eine Oma-Decke, höre Pink Floyd und schreibe den letzten Reisebericht über die Abenteuer im immer noch namenlosen Truck.
Demolition Derby!
Noch ein paar Wartungsarbeiten, Rost
abschleifen, neu streichen und so weiter. Der Kupplung gut zureden, wenigstens noch 1.000 Kilometer durchzuhalten. Mal die Fahrerkabine sauber
machen (ihr erinnert euch an all den Schlamm? Genau, der muss mal
grund gereinigt werden), Biervorräte auffüllen und auf geht es.
Der Wettergott ist uns nicht allzu hold
beim Aufbruch, es schüttet in Strömen. Regen vom Typ "nass auf
bis auf die Unterhose in unter 20 Sekunden".
Darum nur die halbe Strecke der
geplanten Distanz, nächster Halt Cambridge.
Netterweise können wir bei P. und B.
unterkommen, die zwei Tage später in Urlaub fliegen und uns
eigentlich für einen späteren Zeitpunkt eingeplant hatten. Klappt
aber doch, wir versprachen, ganz unkomplizierte Gäste zu sein.
Wie das dann so ist, wenn man ein
solches Versprechen gibt, springt man von einem Fettnapf in den
nächsten, bis das Chaos perfekt ist!
Als wir ankamen, regnete es immer noch
in Strömen. Mein Job war es, die Kinder schnell reinzubringen, in
warme Klamotten zu packen, vors Feuer zu setzen und irgendnen Snack
zu reichen, um Quengeleien zu vermeiden.
Währenddessen wollten J. und P. das
Pferd abladen und auf die Weide stellen. P. kam rein, reichte mir ein
Glas Rotwein, das nicht das letzte des Abends sein sollte, und wir
plauderten über dies und das.
Nach einiger Zeit fragten wir uns, wo
J. denn bleibt, als diese auch ins Haus kam - nass bis auf die
Unterhose und eine Mischung aus lachend und kurz vorm Heulen.
Sie dachte sich, ach hier ist ja kein
Hindernis, park ich den Truck mal rückwärts in die Nische und bau
schonmal das Bett für die Kinder um.
Leider hat sie den tiefhängenden Ast
hinter sich nicht sehen können mittels der Spiegel im Dunkeln und
ist reingefahren, Rückfenster des Wohnbereichts kaputt im strömenden
Regen. Naja, gut, machste jetzt auch nichts, dachte sie sich, und hat
das ganze fachmännisch mit ner dicken Plastikfolie und Panzerband
repariert - so gut wie neu. Auch hier schwört man auf die Kraft des
Panzerbandes in allen Lebenslagen.
Währenddessen hatte ihr Pferd
Langeweile auf der Weide und fing an, Schafe und ihre kleinen, einen
Tag alten Lämmer über die Weide zu scheuchen. Leider sind Schafe
nicht die Sozialsten der in Herden organisierten Lebensformen und
lassen ihre Lämmer einfach zurück. Zum Glück ist nichts passiert,
aber J. hatte so noch die große Freude, ihr Pferd im strömenden
Regen auf der Weide einzufangen.
Sie parkte ihren prächtigen Hengst
dann im Hühnergehege, weil die Hühner in ihrem Stall waren und
dachte sich, das ist ne sichere Nummer.
Während sie die Scherben des Fensters
auffegte, hat sich das Pferd über das gesamte Hühnerfutter
hergemacht und ich in der Zwischenzeit im Hause ein volles Glas
Rotwein umgestoßen.
Ja, wir waren ganz tolle Gäste dieses
Mal!
Zum Glück sind die Kiwis recht
entspannt, so dass diese Anhäufung von Zwischenfällen nicht zu
Ärger, sondern Gelächer geführt hat und J. sich den halben Abend
dumme Sprüche anhören musste. Einige Stunden und ein halbes Dutzend
(?) Flaschen Rotwein später ging es dann auch mal zu Bett mitten in
der Nacht nach einem langen Telefonat nach Deutschland und noch viel
längerer Philosophiererei über Gott und die Welt. Gelungener Abend,
schlimmer Kopf.
Das ist im übrigen etwas, dass die
Kiwis echt drauf haben: Wein keltern. Es gibt hier 3 oder 4 ziemlich
große Weinregionen bei milden Klima und fantastischer
Sonneneinstrahlung (da hat das Ozonloch doch sogar was Gutes!). Wenn
ihr jemals über neuseeländischen Wein stolpert, lasst euch keinen
guten roten Tropfen aus Marlborough, Nelson oder Hawke´s Bay
entgehen. Lange Sonnenscheinstunden sorgen für sehr fruchtigen und
dabei starken Wein.
Apropos Trinkkultur...
Wenn man schon denkt, die Deutschen
wären enthusiastische Biertrinker, so stehen die Kiwis dem in nichts
nach. Der Pint (1 Liter oder so?) wird zu jeder beliebigen Tageszeit
getrunken, wenn der Anlass es zulässt. Und wenn nicht, dann schafft
man sich einen Anlass. Mittags zum Lunch sieht man bereits die Leute
mit ihrem Bier. So gesehen echt eine Schande, dass die hier kein
ordentliches Bier haben...wobei Speight´s (Pride of the South) und
Tui ganz okay sind.
Am nächsten Morgen war trotz
unangenehmer Nebeneffekte des Vorabends die Weiterfahrt angesagt. Die
Laune war nicht die Beste, Durchhalten die Devise. Was eine
ambitionierte Jägerin ist, zeigt sich, wenn sie es tatsächlich
hinbekommt, nach 4-5 Stunden Schlaf die Veranstaltung nicht sausen zu
lassen, sondern alles mobilisiert zu früher Stunde. Es war noch
dunkel, was im Winter echt früh heisst. Bah! Ich hab mir schon ein
bisschen leid getan. Aber wie immer hat das nichts geändert.
Naja, nach einigem Hin und Her und
einiger Kurverei haben wir dann doch die Veranstaltung gefunden,
nahezu idyllisch situiert neben einer Outdoor-Melkanlage im Schlamm
(mal wieder).
War wenig spektakulär, lecker Essen.
Danach ging es nach Kinloch (doofer
Name, oder?), wo wir in einem sehr netten Haus bei einer sehr netten
Familie übernachtet haben.
Am nächsten Morgen - nicht ganz so
früh zum Glück - führte uns unser Weg dann in die Nähe von
Taumarunui, eine weitere Jagdveranstaltung. Hier war es sehr nett.
Schlammig, oh Überraschung, aber die Sonne schien und es war sehr
schön warm!
Es gab Hügel, den ich mit den Kindern
erklommen hab (für die Kleinen ein richtiger Berg!), einen Bach zum
Spielen und einen Wald. Und Millionen von Spinnennetzen, die nass in
der Sonne geglitzert haben. Ist leider auf dem Foto nicht cool, also
überlass ich den glitzernden Wald der Phantasie des Lesers.
Nach der Jagd ging es dann zurück in
meinen Lieblingsort Sanson...Jaja...da sollte der Truck dann
repariert und geparkt werden.
Wie immer ist in Sanson nicht viel
passiert. Wir haben ein paar Bier getrunken, über dies und das
gequatscht. Ich war mit den Kindern noch in einem dieser
Kindererlebnisparks, wo sie nochmal toben konnten und so. Dann war
auch der Zeitpunkt des Abschieds gekommen. Schade, jaja, so geht eine
kleine Ära zu Ende und eine neue beginnt...
Ihr Lieben, ich werd euch vermissen.
Für mich geht es nun weiter nach
Wanganui für ein paar Tage und dann auf nach Wellington, Rock
Capital City!
Hier geht´s um die Wurst!
Zum Abschied dieses Kapitels noch eine
meiner liebsten Anekdoten der Reise im Truck:
Der kulturelle und sprachliche
Austausch von Flüchen und dummen Sprichwörtern gehört auf einer
solchen Reise zu den naturgegebenen Dingen. Nicht nur, um lange
Fahrten im Truck unterhaltsamer zu machen, sondern natürlich (!)
auch aus Interesse an der Kultur des jeweils anderen Volkes und so...
Neben der ein oder anderen mittelmäßig
erheiternden Floskel sowie regulären Sprichwörtern und
Redewendungen zur Steigerung des Sprachniveaus gab es natürlich auch
die niveautechnischen Tiefpunkte, wenn nicht gar Abgründe.
Bei einer dieser Gelegenheiten zum
Oberthema Männlein und Weiblein stellte ich J. die deutsche
Umschreibung "ein Würstchen in den Hausflur werfen" aus
der Kategorie "kurz, aber dafür schmal" vor.
Im Gegenzug lernte ich die ebenso
wertvolle Redewendung "push a marshmallow into a coin slot"
für den begattungswilligen, aber (temporär) unfähigen Mann, der
nicht einsehen möchte, dass er seine Bemühungen irgendwann
einstellen sollte.
Währenddessen wachte unbemerkt der
Vierjährige auf und sagte in seiner kindlichen Unschuld voller
Inbrunst: "Mummy, you know what? It MUST be possible to push a
marshmallow into a coin slot! If I had to do that, I would just push
as hard and as long as it takes to get that marshmallow into the coin
slot!"
Ja, lustig war es...
Was passiert, wenn nach einer
Abrissparty das Räumkommando am nächsten Tag einfach nicht
auftaucht, dafür aber der Immobilienmakler, erfahrt ihr dann in der
nächsten Folge....