Nachdem der letzte Rest zusammengepackt
war, war es dann an der Zeit, nach Wellington zu fahren. M. und ihre
Tochter konnten bei nem Freund der Familie unterkommen.
Ich habe die Couchsurfingalternative
gewählt, weil dieser Typ echt unfassbar weit außerhalb wohnt, was
ohne eigenes Auto super nervig ist. Die Busverbindungen sind zwar
nicht schlecht, der Bus aber sehr teuer. Wenn man nach ner Wohnung
und nem Job in der Stadt gucken will, ist es wohl eh am besten, auch
genau dort zu sein. Vielleicht findet man ja auch gleich nette
Kontakte oder jemanden, der jemanden kennt, der umzieht oder nen Job
weiß, wie das hier ja mit allem so läuft.
So landete ich dann überaus zentral
bei zwei amerikanischen Mädels, von wo aus ich mich bewerben konnte,
Häuser angucken konnte und mentale Unterstützung bekam. Die beiden
waren sehr nett. Wohnung und Job waren noch nicht gar so erfolgreich,
aber man tut ja, was man kann.
Nach 5 Tagen bin ich dann umgezogen zu
N. nach Island Bay. Ziemlich weit außerhalb, leider, aber sehr
schönes Haus, viel Platz, wo ich sogar ein eigenes Zimmer hatte.
Was ich ohne diese Bleibe in Wellington gemacht hätte, weiß der
Teufel, ich konnte hier insgesamt fast 3 Wochen wohnen, hab im
Gegenzug den Haushalt gemacht und ein bisschen Garten und über Gott
und die Welt philosphiert. Ist hilfreich, wenn man bei Leuten wohnt,
die in der selben Lage waren. N. war für einige Jahre durch Europa,
insbesondere Grossbritannien gereist und da einige Male in der
gleichen Lage wie ich in Wellington: Gestrandet, kennt noch
niemanden, kein Job, keine Wohnung und auch kein Geld mehr (als ich
in Wellington ankam, hatte ich weniger als 20$ in der Tasche, also
quasi nix) und wurde ebenfalls durch nette großzügige Menschen
davor bewahrt, im Zelt unter der Brücke zu schlafen. Also: Echt
Glück gehabt!
Nach einer Woche stieß noch P. dazu,
die ebenfalls gerade in Wellington angekommen war auf der Suche nach
Job und Wohnung.
Wenn ich nicht Klinken putzen gegangen
bin oder im Internet nach Jobangeboten geguckt hab, hab ich aus der
Not eine Tugend gemacht und mir Island Bay angeguckt. Island Bay ist
ein echt hübscher Vorort von Wellington, ca. 20 Minuten vom Zentrum
mit dem Bus (oder gut 1 Stunde zu Fuß), also schon recht weit, aber
auch nicht sooo extrem. Wie Godesberg von Bonn? Nur ohne den Zug
leider. Dieser Vorort kann allerdings einiges mehr als Godesberg,
denn er hat erstklassige Wanderwege mit Hügeln und schönen Stränden
und Pinguine im Sommer (los, Sommer, komm endlich! Wie viele
Pinguinstrände habe ich vergeblich angesteuert seit April....)
Ja, hier ein kleines fotografisches
Potpourri dieses tollen Vorortes der neuseeländischen Hauptstadt:
Ein großartiger Balkon:
Der Beweis, dass sich die Natur alles
zurück holt eines schönen Tages
Bei gutem Wetter kann man die Südinsel
sehen mit den (noch) Schnee bedeckten Bergen!
Ja, der Strand und so. Wellington hat
auch ein paar Sandstrände, aber eben nicht hier und die hier sehen
irgendwie auch cooler aus
Und: Eine Seerobbenkolonie gibt es auch
in Island Bay!
Keine Pinguine...
Die Jobsuche in Wellington gestaltete
sich nicht sooo einfach wie erhofft, aber P. und ich kamen beide zu
dem Schluß, dass wir bisher einfach so viel Glück hatten, dass wir
jetzt überrascht sind, wenn es nicht sofort auf Anhieb innerhalb
weniger Tage klappt, was aber wohl eher der Normalfall ist als
umgekehrt. Jobs gibt es viele, aber die Konkurrenz ist auch groß.
Wenn irgendein Laden ein Schild im Schaufenster hat, dass er Leute
einstellt, muss man auch mit der Tatsache leben, dass es eine Art
Deadline gibt, bis zu der Bewerbungen angenommen und angeschaut
werden und dann erst werden Leute zu Interviews eingeladen. Und für
jeden Furzjob braucht man nen Lebenslauf, den keiner liest.
Außerdem sind hier viele Leute meines
Alters, die Regel, dass ein Job nur an Ausländer gegeben werden
darf, wenn kein geeigneter Kandidat aus NZ zur Verfügung steht
(zumindest während der aktuellen Rezession)...was macht man also?
Genau, die Jobs, die die Einheimischen nicht machen wollen oder wo es
nicht drauf ankommt, dass man nur ein befristetes Visum hat, sprich:
meistens Gastronomie-Scheiß oder Ähnliches.
Nun ja, der erste Job, der mir dann
angeboten wurde, war in einem kleinen Bed and Breakfast, wo meine
Aufgabe sein sollte, Ordnung zu halten und eventuell mal die ein oder
andere Rezeptionstätigkeit auszuführen. Der Typ, dem das ganze
Etablissement gehört, war irgendwie wunderlich, komischer alter
Kauz, aber man ist ja erstmal nicht wählerisch mit den Jobs, wenn
man bis auf ein paar Dollar in der Tasche völlig abgebrannt ist.
Habe die Zeit dann auch mal genutzt, in
Wellington noch ein bisschen Sightseeing zu betreiben und öfter mal
die Kamera mitgenommen auf dem Weg zur Arbeit (ist ja ne Stunde zu
Fuß von Island Bay, das B&B ist sehr zentral gelegen) und ihr
wollt ja bestimmt eh lieber Fotos gucken statt noch viel mehr Text zu
lesen, also hier: erste Eindrücke der Hauptstadt!
Blick von der Waterfront (der Strandpromende) auf Mount Victoria
Waterfront neben Te Papa, dem Nationalmuseum:
Ein altes verlassenes Haus in Newtown oder Berhampore, umfunktioniert zur Bushaltestelle:
Ich weiß nicht, ob man es sehen kann
(mein Bildschirm ist einfach zu klein um das zu beurteilen), aber das
Auto hat einen Aufkleber AUTOBAHN über der Windschutzscheibe, das
musste mal festgehalten werden!
Cuba Street, das alternative und
Künstler-Herz der Stadt. Hier die Bucket Fountain. Präzise
misskalkuliert entleeren sich die Schaufeln stets zu einem guten Teil
exakt neben das Becken, in dem das Wasser aufgefangen werden soll.
Der Regenunterstand. Einfach so, wie an
so vielen Kreuzungen eine kleine Schutzvorrichtung gegen Wind und
Wetter. Der architektonische Beweis, wie bescheiden das Wetter in
Wellington oft ist. Bzw. so schlimm ist es nicht mit der Anzahl der
Schlechtwettertage, aber beim Niederschlag gibt es im Wesentlichen
zwei Kategorien: trocken oder nass bis auf die Knochen in 30
Sekunden. Naja, der Schirn ist auf jeden Fall nett und bunt.
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