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Sunday, 22 July 2012

Jedem Ende wohnt ein Anfang inne


Ja, das ist wohl sowieso in mehrfacher Hinsicht eine der Bilanzen dieser ganzen Neuseelandsache. 
In diesem Eintrag geht es aber im Speziellen um...ja, um das Ende meines Lebens auf den Highways down under. Das Ende des Lebens in einem Lastkraftwagen mit Kind und Kegel, Pferd und Hund. 
Die letzte gemeinsame Reise ist gereist, gut 6.000 Kilometer (wir können auch nur grob schätzen, der Kilometerzähler tut´s nicht wirklich) und 2 1/2 Monate waren dieses Vehikel und seine Insassen mein Zu Hause. 
Im Gedenken an diese großartige Zeit sitze ich nun auf dem Sofa neben der Heizung, eingewickelt in eine Oma-Decke, höre Pink Floyd und schreibe den letzten Reisebericht über die Abenteuer im immer noch namenlosen Truck.

Demolition Derby!

Noch ein paar Wartungsarbeiten, Rost abschleifen, neu streichen und so weiter. Der Kupplung gut zureden, wenigstens noch 1.000 Kilometer durchzuhalten. Mal die Fahrerkabine sauber machen (ihr erinnert euch an all den Schlamm? Genau, der muss mal grund gereinigt werden), Biervorräte auffüllen und auf geht es.
Der Wettergott ist uns nicht allzu hold beim Aufbruch, es schüttet in Strömen. Regen vom Typ "nass auf bis auf die Unterhose in unter 20 Sekunden".
Darum nur die halbe Strecke der geplanten Distanz, nächster Halt Cambridge.
Netterweise können wir bei P. und B. unterkommen, die zwei Tage später in Urlaub fliegen und uns eigentlich für einen späteren Zeitpunkt eingeplant hatten. Klappt aber doch, wir versprachen, ganz unkomplizierte Gäste zu sein.
Wie das dann so ist, wenn man ein solches Versprechen gibt, springt man von einem Fettnapf in den nächsten, bis das Chaos perfekt ist!
Als wir ankamen, regnete es immer noch in Strömen. Mein Job war es, die Kinder schnell reinzubringen, in warme Klamotten zu packen, vors Feuer zu setzen und irgendnen Snack zu reichen, um Quengeleien zu vermeiden.
Währenddessen wollten J. und P. das Pferd abladen und auf die Weide stellen. P. kam rein, reichte mir ein Glas Rotwein, das nicht das letzte des Abends sein sollte, und wir plauderten über dies und das.
Nach einiger Zeit fragten wir uns, wo J. denn bleibt, als diese auch ins Haus kam - nass bis auf die Unterhose und eine Mischung aus lachend und kurz vorm Heulen.
Sie dachte sich, ach hier ist ja kein Hindernis, park ich den Truck mal rückwärts in die Nische und bau schonmal das Bett für die Kinder um.
Leider hat sie den tiefhängenden Ast hinter sich nicht sehen können mittels der Spiegel im Dunkeln und ist reingefahren, Rückfenster des Wohnbereichts kaputt im strömenden Regen. Naja, gut, machste jetzt auch nichts, dachte sie sich, und hat das ganze fachmännisch mit ner dicken Plastikfolie und Panzerband repariert - so gut wie neu. Auch hier schwört man auf die Kraft des Panzerbandes in allen Lebenslagen.
Währenddessen hatte ihr Pferd Langeweile auf der Weide und fing an, Schafe und ihre kleinen, einen Tag alten Lämmer über die Weide zu scheuchen. Leider sind Schafe nicht die Sozialsten der in Herden organisierten Lebensformen und lassen ihre Lämmer einfach zurück. Zum Glück ist nichts passiert, aber J. hatte so noch die große Freude, ihr Pferd im strömenden Regen auf der Weide einzufangen.
Sie parkte ihren prächtigen Hengst dann im Hühnergehege, weil die Hühner in ihrem Stall waren und dachte sich, das ist ne sichere Nummer.
Während sie die Scherben des Fensters auffegte, hat sich das Pferd über das gesamte Hühnerfutter hergemacht und ich in der Zwischenzeit im Hause ein volles Glas Rotwein umgestoßen.
Ja, wir waren ganz tolle Gäste dieses Mal!
Zum Glück sind die Kiwis recht entspannt, so dass diese Anhäufung von Zwischenfällen nicht zu Ärger, sondern Gelächer geführt hat und J. sich den halben Abend dumme Sprüche anhören musste. Einige Stunden und ein halbes Dutzend (?) Flaschen Rotwein später ging es dann auch mal zu Bett mitten in der Nacht nach einem langen Telefonat nach Deutschland und noch viel längerer Philosophiererei über Gott und die Welt. Gelungener Abend, schlimmer Kopf.
Das ist im übrigen etwas, dass die Kiwis echt drauf haben: Wein keltern. Es gibt hier 3 oder 4 ziemlich große Weinregionen bei milden Klima und fantastischer Sonneneinstrahlung (da hat das Ozonloch doch sogar was Gutes!). Wenn ihr jemals über neuseeländischen Wein stolpert, lasst euch keinen guten roten Tropfen aus Marlborough, Nelson oder Hawke´s Bay entgehen. Lange Sonnenscheinstunden sorgen für sehr fruchtigen und dabei starken Wein.
Apropos Trinkkultur...
Wenn man schon denkt, die Deutschen wären enthusiastische Biertrinker, so stehen die Kiwis dem in nichts nach. Der Pint (1 Liter oder so?) wird zu jeder beliebigen Tageszeit getrunken, wenn der Anlass es zulässt. Und wenn nicht, dann schafft man sich einen Anlass. Mittags zum Lunch sieht man bereits die Leute mit ihrem Bier. So gesehen echt eine Schande, dass die hier kein ordentliches Bier haben...wobei Speight´s (Pride of the South) und Tui ganz okay sind.
Am nächsten Morgen war trotz unangenehmer Nebeneffekte des Vorabends die Weiterfahrt angesagt. Die Laune war nicht die Beste, Durchhalten die Devise. Was eine ambitionierte Jägerin ist, zeigt sich, wenn sie es tatsächlich hinbekommt, nach 4-5 Stunden Schlaf die Veranstaltung nicht sausen zu lassen, sondern alles mobilisiert zu früher Stunde. Es war noch dunkel, was im Winter echt früh heisst. Bah! Ich hab mir schon ein bisschen leid getan. Aber wie immer hat das nichts geändert.
Naja, nach einigem Hin und Her und einiger Kurverei haben wir dann doch die Veranstaltung gefunden, nahezu idyllisch situiert neben einer Outdoor-Melkanlage im Schlamm (mal wieder).
War wenig spektakulär, lecker Essen.
Danach ging es nach Kinloch (doofer Name, oder?), wo wir in einem sehr netten Haus bei einer sehr netten Familie übernachtet haben.
Am nächsten Morgen - nicht ganz so früh zum Glück - führte uns unser Weg dann in die Nähe von Taumarunui, eine weitere Jagdveranstaltung. Hier war es sehr nett. Schlammig, oh Überraschung, aber die Sonne schien und es war sehr schön warm!



Es gab Hügel, den ich mit den Kindern erklommen hab (für die Kleinen ein richtiger Berg!), einen Bach zum Spielen und einen Wald. Und Millionen von Spinnennetzen, die nass in der Sonne geglitzert haben. Ist leider auf dem Foto nicht cool, also überlass ich den glitzernden Wald der Phantasie des Lesers.
Nach der Jagd ging es dann zurück in meinen Lieblingsort Sanson...Jaja...da sollte der Truck dann repariert und geparkt werden.
Wie immer ist in Sanson nicht viel passiert. Wir haben ein paar Bier getrunken, über dies und das gequatscht. Ich war mit den Kindern noch in einem dieser Kindererlebnisparks, wo sie nochmal toben konnten und so. Dann war auch der Zeitpunkt des Abschieds gekommen. Schade, jaja, so geht eine kleine Ära zu Ende und eine neue beginnt...
Ihr Lieben, ich werd euch vermissen.

Für mich geht es nun weiter nach Wanganui für ein paar Tage und dann auf nach Wellington, Rock Capital City!

Hier geht´s um die Wurst!

Zum Abschied dieses Kapitels noch eine meiner liebsten Anekdoten der Reise im Truck:
Der kulturelle und sprachliche Austausch von Flüchen und dummen Sprichwörtern gehört auf einer solchen Reise zu den naturgegebenen Dingen. Nicht nur, um lange Fahrten im Truck unterhaltsamer zu machen, sondern natürlich (!) auch aus Interesse an der Kultur des jeweils anderen Volkes und so...
Neben der ein oder anderen mittelmäßig erheiternden Floskel sowie regulären Sprichwörtern und Redewendungen zur Steigerung des Sprachniveaus gab es natürlich auch die niveautechnischen Tiefpunkte, wenn nicht gar Abgründe.
Bei einer dieser Gelegenheiten zum Oberthema Männlein und Weiblein stellte ich J. die deutsche Umschreibung "ein Würstchen in den Hausflur werfen" aus der Kategorie "kurz, aber dafür schmal" vor.
Im Gegenzug lernte ich die ebenso wertvolle Redewendung "push a marshmallow into a coin slot" für den begattungswilligen, aber (temporär) unfähigen Mann, der nicht einsehen möchte, dass er seine Bemühungen irgendwann einstellen sollte.
Währenddessen wachte unbemerkt der Vierjährige auf und sagte in seiner kindlichen Unschuld voller Inbrunst: "Mummy, you know what? It MUST be possible to push a marshmallow into a coin slot! If I had to do that, I would just push as hard and as long as it takes to get that marshmallow into the coin slot!"


Ja, lustig war es...


Was passiert, wenn nach einer Abrissparty das Räumkommando am nächsten Tag einfach nicht auftaucht, dafür aber der Immobilienmakler, erfahrt ihr dann in der nächsten Folge....

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