Christchurchs Flughafen scheint
irgendeine Art magische Anziehungskraft auf mich auszuüben, war nun
schon zum dritten Mal dort - einmal bei Ankunft, einmal Kathleen
abholen und jetzt nochmal, um selber dort abgeholt zu werden.
Die ersten Tage bin ich mit J. und
ihrem Pferdetruck alleine rumgefahren, weil die Kinder noch bei den
Großeltern waren.
Direkt am zweiten Tag wurde dann auch
eine Jagd veranstaltet, hier:
Die Jagdhunde stöbern in den Feldern
Hasen auf und jagen sie, während die Leute auf den Pferden
hinterherreiten. Klingt komisch, ist aber so. Macht aus europäischer
Sicht keinen Sinn, die Kiwis sind aber für jeden toten Säuger
außerhalb einer Weide dankbar, da sie die eingeschleppt sind und die
heimische Tier- und Pflanzenwelt zerstören.
Ethische Auseinandersetzung mit diesem
Thema spare ich mir an dieser Stelle, das kann jeder für sich selber
machen.
Die Teilnehmer tragen alle Uniformen
ihres Jagdverbandes, was das ganze erstmal ziemlich steif und
aristokratisch wirken lässt. Da wir aber bei einigen zu Besuch
waren, wurde schnell klar, dass das nur die Uniform macht, das waren
alles total nette Leute. Das ist wohl irgendso ein Traditionsding mit
den Klamotten, das noch auf die britische Form der Jagd zurückgeht.
Pinetree Valley
Danach ging es erstmal zu J.´s
Schwiegereltern, wo auch die beiden Jungs waren. Ganz putzige kleine
Burschen!
Die Schwiegereltern haben ne Farm
mitten im Niemandsland. Denen gehört ein ganzes Tal, in dem sie
Schafe, Wild und Kühe halten.
Ein paar kleine Impressionen der Umgebung:
J.s Schwiegervater hat mich
mitgenommen, im Jeep über das Land zu fahren, was ziemlich viel Spaß
gemacht hat, so querfeldein über Stock und Stein. Mal hier nen
Leckstein für die Schafe aufstellen, da mal den Wassertank für die
Kühe überprüfen, fertig. Kaputt arbeiten tut sich hier keiner,
sagen sie auch selbst.
Einer der Tage dort war ein richtiger
Tag auf dem Bauernhof, mit Hühner füttern am Morgen und so.
Nachmittags mussten Rehe gewogen
werden. Um die Rehe zu wiegen, müssen sie in so eine Art Stall
innerhalb eines Zaunes gebracht werden, die beide in Schneckenform
aufgebaut sind, so dass die Tiere - wenn sie einmal da drin sind -
nur in Richtung der Waage laufen können.
Um alle Rehe zusammen zu bekommen,
fährt man mit dem Jeep durch die einzelnen eingezäunten Weiden (die
alle sehr groß sind verglichen mit Deutschland) und jagt die Herde
mit Hilfe einiger Hirtenhunde über die Weiden, schließt die Tore,
um den Rückweg zu versperren und wiederholt das Ganze so lange, bis
man die ganze Meute über Kilometer hinweg in den Stall gejagt hat.
Mit dem Jeep querfeldein über Stock
und Stein, bergauf und bergab hinter den Rehen herfahren ist schon
ganz spaßig, besonders, wenn man sich auf der Ladefläche des
Pickups befindet, sich hinstellt und an der Stange am Dach festhält.
Das Wiegen selber ist nicht so
spektakulär, wiegen, Nummer im Ohr ablesen, aufschreiben, raus mit
dem Reh. Da die Rehe normal sehr viel Platz haben, schieben sie in
dem Stall allerdings ziemlich schnell Panik und treten aus oder
machen sonstigen Terror. Daher ist Ohr piercen und auf die Waage
lotsen der Job erfahrenerer Männer und der Reisende macht den
Papierkram und streichelt die Hirtenhunde.
The Cowincidence
Am darauf folgenden Tag ging es zur
Jagd in der Nähe von Blenheim.
Da die Kinder noch nicht dabei waren,
konnte ich einfach ein bisschen rumspazieren. War gut.
Bis auf diese eine Sache mit den Kühen.
Hier grasen sie noch friedlich.
Bei einer späteren Gelegenheit war es
mit dem Frieden vorbei, und zwar nachdem ich aus einem Waldstück herauskam.
Der Weg aus dem Wald führte über eine
Kuhweide, nix Schlimmes, denk ich mir, so ungefähr die zwanzigste
heute, über die ich laufen musste. Ich bin dann also am Rand der
Kuhweide gelaufen und wollte zur Straße rüber, als ich bemerkte,
dass mir eine Kuh folgte. Dieser Kuh folgte nach kurzer Zeit noch
eine, dann noch eine und so weiter, bis ich die ganze Herde hinter
mir hatte, die auf einmal anfing zu traben. Ich dachte mir, ich bleib
mal stehen und gucke mir das an, da dachten sich die Kühe wohl "Oh
nein, sie bleibt stehen, nichts wie weg!", was ein kopfloses
Massengerenne in alle Richtungen und dann wieder auf mich zu
auslöste. Die Kühe auf den beiden angrenzenden Weiden wurden von
der Aktivität angesteckt, so dass auf einmal drei Kuhweiden mit
geschätzten 200 Kühen laut muhend um mich herumliefen und sprangen
(wusste gar nicht, dass die springen können), da die Tore zwischen
den Weiden nicht geschlossen waren.
Nach einiger Zeit hatte ich
einigermaßen raus, wie ich laufen und stehen bleiben und sie
anbrüllen muss, um mir den Weg freizuräumen. Gerade als das
einigermaßen lief, kam der Farmer mit seinem Jeep angefahren und hat
mich eingesammelt - natürlich nicht, ohne sich total darüber kaputt
zu lachen, wie ich es als einzelne Person hinbekommen habe, drei
Kuhherden derart aufzumischen.
Nun ja, ich selber auch keine Ahnung.
Eine Fahrt mit dem Interislander
Zwei Tage später ging es dann mit Kind
und Kegel auf die Fähre nach Wellington, also nach über 3 Monaten
doch mal auf die Nordinsel.
Die Fähre fährt durch die Marlborough
Sounds, die sehr schön sind, raus auf die kleine, extrem windige
Schneise zwischen den beiden Inseln und dann in den Hafen in
Wellington.
Nette Fährfahrt mit Aussicht und
Delphinen:
Neuseeland ist ein ziemliches Kaff, hab
ich auf der Fähre festgestellt durch das unerwartete Wiedersehen mit
Nicki, die ich schon in Manapouri auf der Hütte und
später bei Michael in Invercargill getroffen habe. Die war zufällig
auch auf der gleichen Fähre und zur gleichen Zeit auf dem
Sonnendeck.
Kaff!
Wellington hab ich jetzt nicht wirklich
gesehen, nur die Autobahn. Im übrigen die erste Autobahn, seit ich
hier bin. Ebenso die erste Straßenbahn.
Ansonsten wird für die nächsten 2
Wochen Sanson die Homebase sein, von der aus wir Tagesausflüge machen werden.
Hier in Sanson steppt nicht gerade der
Bär. Ist ein kleines verschlafenes Nest im Nirgendwo. Und mit
kleines verschlafenes Nest meine ich noch kleiner und verschlafener
als Te Anau.
Hier gibt´s ne Tankstelle, nen
Antiquitätenladen und nen Fish´n´Chips Imbiss.
Ansonsten bin ich den Manawatu Gorge
Track gewandert.
Der Track war sehr nett zu laufen, hat
Spaß gemacht, mal wieder zu wandern.
Hier auf der Nordinsel sieht der Wald
auch wieder anders aus als unten auf der Südinsel. Die Farnbäume
sind noch größer und die Farnrollen erst, tellergroß!
Außerdem hab ich zwei Kererus gesehen,
riesige einheimische Waldtauben.
Und nen schönen Bach:
Zum Abschluss haben wir noch einen
Ausflug zum postapokalyptisch anmutenden Spielplatz neben dem
Wanderweg gemacht, wo ich abgeholt wurde. So, also endlich was
Häßliches in Neuseeland.
Hier auf der Nordinsel regnet es leider grad verdammt viel. Kein Gebirge, das den ganzen Mist abfängt. Und Herbst. Hier schauerste es gestern den ganzen Tag auf dem "Nass bis auf die Unterhose in 20 Sekunden"-Level. Und heute auch. Und morgen....??
Sowas Doofes. Hatte bisher so ein Riesenglück mit dem Wetter, nur 8-10 Regentage insgesamt, und bis auf den einen während der Alpenwanderung auf dem Kepler Track war das auch nie ein kompletter Tag. Hoffentlich wird´s besser!


schön wieder neues zu lesen :D
ReplyDeletegruß aus bonn
mal wieder super bilder :D
ReplyDeleteDanke :-)
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