Hier eine Auswahl, die mit Sicherheit immer wieder mal erweitert wird.
Die Dusche des DOC-Campsite am Lake McGregor, mit Haken zum Aufhängen eines Eimers, mit dem man sich Abduschen kann. Es gab im übrigen kein fließendes Wasser, um den Eimer zu befüllen, so dass hier für den Freund der Körperhygiene einiges an Einfallsreichtum erforderlich ist (z.B. Eimerkette vom See aus?).
Ohne Worte...
Straßenverkehr:
Man geht nicht bei Grün über die Straße.Man geht, wenn die Ampel rot blinkt und steht, wenn die Ampel einfach nur so rot ist. Dazu kommt ein Geräusch für Blinde, das sich anhört wie der Startschuss einer Schießerei. Viel Glück!
Neuseelands Südinsel besteht fast nur aus Bergen und Hügeln. Die Erfindung des Tunnels wurde hier allerdings ziemlich konsequent ignoriert. Stattdessen führen enge, gewundene Straßen an steilen Berghängen hoch und runter. Wenn man runterguckt, wird einem meist ganz anders. Leitplanken gibt´s nämlich auch nur sporadisch. Da es keine Autobahnen gibt, wird der Abenteuerfaktor durch meist ziemlich schnell fahrende LKW auf solchen Strecken noch erhöht.
----> 1. Es gibt doch einen Tunnel, den Homertunnel, der auf Höhe des Milford Sound durch die Alpen führt. Unheimliches Ding mit nackten behauenen Wänden und unzureichender Beleuchtung.
2. Ein Kiwi erklärte das Phänomen damit, dass viele Tunnel im Bau eingestürzt sind wegen der ständigen Erdbeben, also hat man´s dann sein lassen. Klingt plausibel...
Ein weiterer großer Spaß sind die One-Lane-Bridges, Brücken mit nur einer meist sehr schmalen Fahrspur, gerne auch so gelegen, dass man den Gegenverkehr nicht kommen sehen kann.
Ich habe noch nie so viele Anhalter gesehen wie hier. Dauernd. Haben auch welche mitgenommen, manche reisen so durchs ganze Land. Gute Idee eigentlich.
Navigationsfallen für Europäer: Wir sind einfach gewohnt, dass auch ne Stadt da ist, wenn ein Punkt auf der Karte ist. Hier im Süden der Südinsel heißt ein Punkt eher sowas wie 5 oder mehr Häuser, die zumindest so nahe beieinander stehen, dass ihre Anordnung nicht gänzlich zufällig erscheint.
Man fährt nicht nur links, auch die
Autos sind komplett andersrum gebaut. Also sind auch Blinker und
Scheibenwischer vertauscht. Der Tourist aus Rechtsverkehrland blinkt
also selten, hat dafür aber eine beeindruckend saubere
Windschutzscheibe während der ersten Fahrten. Achso, Blinkerhebel
hoch ist links und runter ist rechts, genau umgekehrt. wie im
Rechtsverkehr. Arme Neuseeländer, nur offensichtliche Mietautos
weisen auf die potenzielle Gefahr hin, hier gibt´s keine
ausländischen Kennzeichen als Warnung.
Land und Leute
Heute kann es regnen, stürmen oder schneien, alle kleiden sich, als wäre Sonnenschein!
Überall trifft man andere deutsche Touristen. Die Neuseeländer machen schon Witze drüber. Ich glaube die zweitgrößte Touristengruppe sind (gefühlt) Chinesen, gefolgt von den Neuseeländern selbst, die im übrigen ziemlich überzeugt sind von der Schönheit ihres Landes (zu Recht) und deshalb auch rumreisen in der Heimat.
Selbst der Deutsche, der das Mülltrennen von Kindheit an eingetrichtert bekommen hat, wird angesichts der noch größeren Zahl verschiedener Müllarten, die man hier sortieren soll, überfordert sein.
Man kann immer und überall den Campingkocher auspacken und eine Mahlzeit zubereiten und die meisten Kiwis beglückwünschen einen zu der tollen Stelle für lunch/tea/dinner. Manche machen mit oder machen es nach, wenn man fertig ist.
Es gibt hier eine Billigbiermarke namens Rheineck, die so tut, als ob sie deutsch wäre, aber in Auckland gebraut wird.
--> Rheineck ist eine amerikanische Biermarke, danke fürs Recherchieren. Das zeigt deutlich den guten Ruf des goldenen germanischen Gerstensaftes im Ausland - jeder wäre gerne in der Lage, Bier zu brauen wie die Deutschen!
Fast alle Waschbecken haben zwei Wasserhähne: Einen für eiskaltes und eine für brühend heißes Wasser. Sehr sinnvoll.
In fast jedem größeren Supermarkt gibt es einen begehbaren Kühlschrank, in dem nur Bier feilgeboten wird.
Neuseeland kann ja
nicht direkt auf eine lange Geschichte zurückblicken als das am kürzesten von
Menschen besiedelte Land der Welt. Um diesen Geschichtskomplex zu kompensieren, wird wahrscheinlich so ein
Bohei um jede historische Stätte gemacht. Jeder größere Stein, Bach, Fjord etc.
ist nach seinem (europäischen) Entdecker benannt oder einer Anekdote eines
Entdeckers an diesem Ort und dann gibt es noch die Maori-Geschichte dazu. Hab
selten so viele historische Stätten ausgeschildert gesehen wie hier.
Bei manchen dieser Plätze beschleicht mich
allerdings das Gefühl, dass die Neuseeländer einfach nur zu faul waren,
irgendwelchen rostigen Müll wegzuräumen oder ein missglücktes Bauprojekt wieder
abzureißen und es deswegen zur historischen Stätte erklärt wurde...
Kulinarische Impressionen
Immer so ne Sache im Ausland mit dem Essen. Sowas wie ne neuseeländische Küche gibt´s scheinbar nicht so wirklich. Allerdings natürlich Gemüse-, Obst und Fleischvarianten, die es bei uns nicht gibt.
Hier eine lecker, fies und kurios-Liste
Lecker:
- Pie (Blätterteigkuchen mit allen möglichen Varianten)
- Shortcake
- riiiiiiesige Cookies
- Cadbury Chocolate, hmmmmmmmmmmmmmm
- eine bahnbrechende Varianz an Büchsenbohnen: Normale rote Bohnen, Chilibohnen, geräucherte Bohnen, Bohnen mit Würstchen, Bohnen in zig verschiedenen Saucen usw.
- Schaf (nicht nur Lamm)
- Feijoa (Obst)
- Kennt ihr die Süßigkeitenabteilung im Kaufhof, wo man mit Schaufeln Pralinen, Gummibärchen usw. in Tüten abfüllen kann? Das gibt´s hier in jedem Supermarkt mit Süßkram, Knabberzeug und Nüssen :-)
- Fisch. Das könnense hier echt gut.
Bah:
- Brot. Nix als Toast, meterlange Regale mit Toast. Der einzige Unterschied ist der Markenname und die Verpackung. Das einzig erträgliche ist Baguette, nachdem es nochmal aufgebacken hat. Ist aber auch schwer, Deutsche da zufrieden zu stellen. Brot backen kann ich jetzt.
- Würstchen. Rinds- und Schafwürstchen vom Metzger gehen noch, alles andere ist superfies. Fleisch generell außer pur zum Selberwürzen ist meistens fies, hat nen komischen Geschmack.
- Marmite, so´n Malzaufstrich. Mit dem fiesen Brot gleich doppelt fies.
- Pilsener. Schmeckt wie aus gammeligen Blüten gebraut, und dann auch noch schal. Hätte nie gedacht, dass das mal über meine Lippen kommt: Ale ist besser als Pils. Aber nur in Neuseeland.
Kurios:
- Paua, riiiiiesisge Muscheln (10 cm Mindestfanggröße) mit schwarzem Fleisch. Dieses wird zerhackt und Burgerpatties draus gemacht und dann ab aufs Barbecue. Die Schalen sind voll schön
- Es gibt einfach keine festkochenden Kartoffeln hier. Und die sind total weiß von innen. Komische Sache!
Kiwi-English
Großartiger Dialekt hier: Es gibt nur freundliche Vokale, viel mit iiiiii wie siiiiiven (7), Biiiiiiid (bed), tiiiiiin (10)
Es dauert allerdings ne Weile, bis man das versteht und langsam reinkommt, auch ein bisschen so zu reden. Nicht, weil der Dialekt so toll ist, sondern weil die einen dann besser verstehen hier.
Also, so geht es:
Glücklicherweise für den Deutschen rollen die
Kiwis in den allermeisten Regionen das R nicht so rum wie die Amis. Es wird eigentlich nur am Anfang einer
Silbe wirklich betont, am Ende nicht. Car ist zum Beispielt nicht
"carrrrr" wie im Amerikanischen, sondern einfach nur "ca".
Neben den wunderlichen Vokalen (iiiiii, siehe
weiter oben) muss man die letzte Silbe oder Buchstaben eines jeden Wortes
verschlucken und direkt geschmeidig ins nächste Wort gleiten.
Das geht mit relativ wenig Aufwand, indem man
beim Reden die Hand vor den Mund hält und reinnuschelt. Kann man aber nicht
überall unauffällig machen, ohne in Erklärungsnot zu kommen. Also muss man das
Üben. Für den Gelangweilten hier einige Übungsaufgaben.
Falsch: "I´d like to have a cup of
chocolate."
Richtig: a) "I lido havey cao chocla."
b) "I lido havey coppa chocla."
Flasch: "Excuse me, could you tell me the
way to the next bus stop?"
Richtig: "Iiiixcuseme, couyou temede way
tothe niiik (oder niiix) buss(t)o?"
So, beliebig fortsetzbar....
Noch so ne Kiwi-Marotte ist der exzessive
Gebrauch des Wörtchens "ey" bzw "ay".
Anwendungsgebiete:
1. Es wird verwendet anstelle von "Excuse
me, I didn´t understand/hear that. Could you please repeat what you said?"
2. Es ersetzt das deutsche "...,
oder?" am Ende eines Satzes. Haben wir in der SChule mal anders gelernt in
Englisch, ist aber...
Falsch: "The weather is nice today, isn´t
it?"
Richtig: "The weather´s nicetday,
ay?"
Man könnte nun meinen, die Kiwis wären
unkommunikativ. Sind sie aber nicht, im Gegenteil, die sind im Schnitt um
einiges gesprächiger und kontaktfreudiger als die Deutschen, aber zu faul,
ordentlich zu reden.
Macht aber nix, die wissen das selber auch.
Wenn man sie nicht versteht, wird man schonmal angegrinst und die sagen dann
selber "jaja, Kiwi-English, wir wissen´s...." und reden dann auch schon mal deutlicher und
langsamer, wenn man drum bittet, und zwar für genau 3 Sätze, bis sie es dann
wieder vergessen haben, dass ihr Dialekt für Ausländer (auch andere Englischsprecher!!)
ne harte Nummer ist.
Medien
Die Wettervorhersage
1. Vorhersage sollte dringend zu
"Vorhervermutung" geändert werden, um Erwartungshorizont des Zuschauers und die tatsächliche Trefferquote in Einklang zu bringen.
2. Hab noch nie so viel im Fernsehen
übers Wetter gehört wie hier. Es gibt sogar nen eigenen Wetterkanal.
3. In den Zeitungen und auf der NZ-Wetterseite sind unter der
Wettervorhersage für die einzelnen Regionen Vorschläge, was man anziehen sollte: "Wellington, 10 Grad, 2 Lagen Kleidung und eine
winddichte Jacke, geschlossene Schuhe." Dankeschön!
Aber wie bereits erwähnt, es laufen trotzdem alle in Shorts und T-Shirt rum. Vielleicht ist die vorgeschlagene Kleiderordnung eine Art staatliche Intervention zur Krankheitsvorbeugung im Herbst und Winter?!
Es gibt hier nur 5 TV-Kanäle, davon einer auf Maori. Wer mehr will, hat Pay-TV Sky.
Zufällige fiktive Nachrichten könnten so aussehen:
"Heute wurde in Whangarei ein Hund
gerettet, der in eine Baugrube gefallen ist." - "Wir haben
im Fiordland erfolgreich über mehrere Tage einem Kiwi beim Brüten
zugeguckt." - "Bauer Jack Johnson aus der Nähe von
Wellington hat die größten Kartoffeln dieses Jahr." - "Diese
Saison sind Sie modisch besonders up to date, wenn Sie ihre Heuballen
in blaue Folie einrollen."
Keine langweilige Politik oder brutale Kriegsberichterstattung. Hier ist man am Arsch der Welt und es passiert einfach nix und das ist auch gut so.
Flora und Fauna
Es gibt Känguruhs in Neuseeland!
Es gibt keine gefährlichen Tiere in Neuseeland, sagt man. Von den Sandflies erzählt einem einfach lieber mal keiner.. Kleine, schwarze Fliegen, deren Bisse vom Juckfaktor her jeweils für 3-4 Mückenstiche durchgehen. Und von den Viechern gibt es Milliarden...
Ein ganz eigenes Kapitel ist die Jagdkultur in Neuseeland.
Hier gibt es zahlreiche vom Menschen eingeschleppte Tierarten, die die heimische Fauna und Flora massiv zerstören und sich rasant vermehren, was man möglichst verhindern will, seit man erkannt hat, wie dumm es war, Tiere von außerhalb mitzubringen.
Die neuseeländische Antwort auf diese Invasion heisst (neben Giftködern): Zum Abschuss freigegeben. Hier weicht kein Mensch Hasen, Possums, Wildschweinen, Rehen oder den anderen "pests" aus, nein, da wird mit dem Auto voll draufgehalten und gejubelt, wenn man eins überfahren hat.
Außerdem darf hier jeder jagen gehen, wie es ihm passt. Waffenschein ist schnell erledigt, Knarre gekauft, und ab in den Wald. Keine Schonzeiten, keinerlei Beschränkungen bei Säugern (die allesamt eingeschleppt sind), nur nix Heimisches abschiessen, das kann bis zur Gefängnisstrafe geahndet werden.
Da die meisten dieser Tiere nacht- oder dämmerungsaktiv sind, ist von einem Nachtspaziergang im Wald abzuraten, wenn man keine Lampe hat, durch die man deutlich sichtbar ist.
Paradoxerweise haben super viele Leute Katzen und Hunde, die ja auch eingeschleppte pests sind. Besonders auf das Konto frei laufender Katzen geht ne ganze Menge Todesfälle einheimischer Vögel. Aber die sind halt niedlich, vielleicht ist das das Kriterium?
Architektur und Lifestyle
Der Winter kommt, die Temperaturen sinken
auf unter 10 Grad, machen wir doch mal langsam die Heizung an.
Heizung?? What´s that? Gibt´s nicht.
Hier stehen Öfen wie zu Ommas Zeiten in den
Wohnzimmern und alle anderen Räume bleiben halt einfach kalt. Pech gehabt. Das
erklärt auch, warum die hier immer in Sommerklamotten rumlaufen, auch wenn es
schon echt kalt ist abends: Die sind einfach an Kälte gewohnt und haben Frieren
vergessen. Ich friere im Übrigen auch immer weniger. Man gewöhnt sich echt
dran.
Die haben nicht nur keine Heizung, nein,
Isolierung ist auch völlig unbekannt, genau so wie ordentliche Steinhäuser. Die
bauen hier einfach aus...ja, aus was eigentlich? Gute Frage. Hab Rohbauten gesehen,
das sind simple Holzgestelle. Ich glaube, die Wände sind nur zwei Lagen
Spanplatten mit Leitungen dazwischen. Ist auf jeden Fall dünn wie Pappe und
lässt wenig Spielraum für Phantasie was die Körpergeräusche der Mitbewohner
betrifft.
Was wiederum erklärt, warum sich hier kaum
einer scheut in der Öffentlichkeit laut zu rülpsen, weil das ja eh jeder
dauernd hört - zwangsläufig.
Die Häuser hier haben alle nur eine Etage
(außer in größeren Städten im Zentrum), sehr praktisch, aber auch klar, wenn
man aus Pappe baut. Da Neuseeland nicht besonders dicht besiedelt ist, kann man
relativ erschwinglich größere Grundstücke und Häuser kaufen.
Habe mal so gefragt, und habe für
Invercargill Immobilienpreise zwischen 55.000 und 220.000 $ (ca. 25.000 / 140.000 € glaub ich) für Haus mit großem (!)
Grundstück gehört, wobei ersteres noch einige Handgriffe erforderte und
letzteres superschick komplett renoviert war. Ein anderer Typ in Marlborough will seine Farm loswerden - ein ganzes Tal inklusive riesengroßem Haus für ca. 1 Million Euro. Und man muss auch nicht so
solvent sein wie in Deutschland für einen entsprechenden Kredit, ist hier
lockerer. Wie alles.
Also, lohnt!
Also, lohnt!
Die Manta-Welle
Wie in allem ist Neuseeland die ein
oder andere Dekade hinter dem Rest der westlichen Welt, so ist das
Boy-Toy-Auto-Phänomen zu vergleichen mit dem, was in Deutschland mal
die Manta-Welle war, nur mit moderneren Autos. Prinzip ist aber das
gleiche: Man motzt ein ansonsten unspektakuläres Auto so auf, dass
es zwar nicht mehr kann, aber fetzig aussieht und ne Menge Lärm
macht beim Fahren. Aus irgendeinem grund ist hierzulande ziemlich
häufig ein sehr auffälliges Neongrün die Farbe der Wahl.
Wird fortgesetzt....
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