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Friday, 24 February 2012

Kleine Kuriositätensammlung

Wie immer, wenn man mal woanders hinkommt, fallen einem lustige oder seltsame Dinge auf, die sich von zu Hause unterscheiden.
Hier eine Auswahl, die mit Sicherheit immer wieder mal erweitert wird.

Die Dusche des DOC-Campsite am Lake McGregor, mit Haken zum Aufhängen eines Eimers, mit dem man sich Abduschen kann. Es gab im übrigen kein fließendes Wasser, um den Eimer zu befüllen, so dass hier für den Freund der Körperhygiene einiges an Einfallsreichtum erforderlich ist (z.B. Eimerkette vom See aus?).



Ohne Worte...




Straßenverkehr:


Man geht nicht bei Grün über die Straße.Man geht, wenn die Ampel rot blinkt und steht, wenn die Ampel einfach nur so rot ist. Dazu kommt ein Geräusch für Blinde, das sich anhört wie der Startschuss einer Schießerei. Viel Glück!


Neuseelands Südinsel besteht fast nur aus Bergen und Hügeln. Die Erfindung des Tunnels wurde hier allerdings ziemlich konsequent ignoriert. Stattdessen führen enge, gewundene Straßen an steilen Berghängen hoch und runter. Wenn man runterguckt, wird einem meist ganz anders. Leitplanken gibt´s nämlich auch nur sporadisch. Da es keine Autobahnen gibt, wird der Abenteuerfaktor durch meist ziemlich schnell fahrende LKW auf solchen Strecken noch erhöht.
----> 1. Es gibt doch einen Tunnel, den Homertunnel, der auf Höhe des Milford Sound durch die Alpen führt. Unheimliches Ding mit nackten behauenen Wänden und unzureichender Beleuchtung.

2. Ein Kiwi erklärte das Phänomen damit, dass viele Tunnel im Bau eingestürzt sind wegen der ständigen Erdbeben, also hat man´s dann sein lassen. Klingt plausibel...

Ein weiterer großer Spaß sind die One-Lane-Bridges, Brücken mit nur einer meist sehr schmalen Fahrspur, gerne auch so gelegen, dass man den Gegenverkehr nicht kommen sehen kann.


Ich habe noch nie so viele Anhalter gesehen wie hier. Dauernd. Haben auch welche mitgenommen, manche reisen so durchs ganze Land. Gute Idee eigentlich.

Navigationsfallen für Europäer: Wir sind einfach gewohnt, dass auch ne Stadt da ist, wenn ein Punkt auf der Karte ist. Hier im Süden der Südinsel heißt ein Punkt eher sowas wie 5 oder mehr Häuser, die zumindest so nahe beieinander  stehen, dass ihre Anordnung nicht gänzlich zufällig erscheint.


Man fährt nicht nur links, auch die Autos sind komplett andersrum gebaut. Also sind auch Blinker und Scheibenwischer vertauscht. Der Tourist aus Rechtsverkehrland blinkt also selten, hat dafür aber eine beeindruckend saubere Windschutzscheibe während der ersten Fahrten. Achso, Blinkerhebel hoch ist links und runter ist rechts, genau umgekehrt. wie im Rechtsverkehr. Arme Neuseeländer, nur offensichtliche Mietautos weisen auf die potenzielle Gefahr hin, hier gibt´s keine ausländischen Kennzeichen als Warnung.



Land und Leute



Heute kann es regnen, stürmen oder schneien, alle kleiden sich, als wäre Sonnenschein!


Überall trifft man andere deutsche Touristen. Die Neuseeländer machen schon Witze drüber. Ich glaube die zweitgrößte Touristengruppe sind (gefühlt) Chinesen, gefolgt von den Neuseeländern selbst, die im übrigen ziemlich überzeugt sind von der Schönheit ihres Landes (zu Recht) und deshalb auch rumreisen in der Heimat.


Selbst der Deutsche, der das Mülltrennen von Kindheit an eingetrichtert bekommen hat, wird angesichts der noch größeren Zahl verschiedener Müllarten, die man hier sortieren soll, überfordert sein.


Man kann immer und überall den Campingkocher auspacken und eine Mahlzeit zubereiten und die meisten Kiwis beglückwünschen einen zu der tollen Stelle für lunch/tea/dinner. Manche machen mit oder machen es nach, wenn man fertig ist.


Es gibt hier eine Billigbiermarke namens Rheineck, die so tut, als ob sie deutsch wäre, aber in Auckland gebraut wird.
--> Rheineck ist eine amerikanische Biermarke, danke fürs Recherchieren. Das zeigt deutlich den guten Ruf des goldenen germanischen Gerstensaftes im Ausland - jeder wäre gerne in der Lage, Bier zu brauen wie die Deutschen!


Fast alle Waschbecken haben zwei Wasserhähne: Einen für eiskaltes und eine für brühend heißes Wasser. Sehr sinnvoll.

 In fast jedem größeren Supermarkt gibt es einen begehbaren Kühlschrank, in dem nur Bier feilgeboten wird.

Neuseeland kann ja nicht direkt auf eine lange Geschichte zurückblicken als das am kürzesten von Menschen besiedelte Land der Welt. Um diesen Geschichtskomplex zu kompensieren, wird wahrscheinlich so ein Bohei um jede historische Stätte gemacht. Jeder größere Stein, Bach, Fjord etc. ist nach seinem (europäischen) Entdecker benannt oder einer Anekdote eines Entdeckers an diesem Ort und dann gibt es noch die Maori-Geschichte dazu. Hab selten so viele historische Stätten ausgeschildert gesehen wie hier.
Bei manchen dieser Plätze beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass die Neuseeländer einfach nur zu faul waren, irgendwelchen rostigen Müll wegzuräumen oder ein missglücktes Bauprojekt wieder abzureißen und es deswegen zur historischen Stätte erklärt wurde...

Kulinarische Impressionen
Immer so ne Sache im Ausland mit dem Essen. Sowas wie ne neuseeländische Küche gibt´s scheinbar nicht so wirklich. Allerdings natürlich Gemüse-, Obst und Fleischvarianten, die es bei uns nicht gibt.
Hier eine lecker, fies und kurios-Liste


Lecker:
  • Pie (Blätterteigkuchen mit allen möglichen Varianten)
  • Shortcake
  • riiiiiiesige Cookies
  • Cadbury Chocolate, hmmmmmmmmmmmmmm
  • eine bahnbrechende Varianz an Büchsenbohnen: Normale rote Bohnen, Chilibohnen, geräucherte Bohnen, Bohnen mit Würstchen, Bohnen in zig verschiedenen Saucen usw.
  • Schaf (nicht nur Lamm)
  • Feijoa (Obst)
  • Kennt ihr die Süßigkeitenabteilung im Kaufhof, wo man mit Schaufeln Pralinen, Gummibärchen usw. in Tüten abfüllen kann? Das gibt´s hier in jedem Supermarkt mit Süßkram, Knabberzeug und Nüssen :-) 
  • Fisch. Das könnense hier echt gut.

Bah:
  • Brot. Nix als Toast, meterlange Regale mit Toast. Der einzige Unterschied ist der Markenname und die Verpackung. Das einzig erträgliche ist Baguette, nachdem es nochmal aufgebacken hat. Ist aber auch schwer, Deutsche da zufrieden zu stellen. Brot backen kann ich jetzt.
  •  Würstchen. Rinds- und Schafwürstchen vom Metzger gehen noch, alles andere ist superfies. Fleisch generell außer pur zum Selberwürzen ist meistens fies, hat nen komischen Geschmack.
  • Marmite, so´n Malzaufstrich. Mit dem fiesen Brot gleich doppelt fies.
  • Pilsener. Schmeckt wie aus gammeligen Blüten gebraut, und dann auch noch schal. Hätte nie gedacht, dass das mal über meine Lippen kommt: Ale ist besser als Pils. Aber nur in Neuseeland.

Kurios:
  •  Paua, riiiiiesisge Muscheln (10 cm Mindestfanggröße) mit schwarzem Fleisch. Dieses wird zerhackt und Burgerpatties draus gemacht und dann ab aufs Barbecue. Die Schalen sind voll schön



  •  Es gibt einfach keine festkochenden Kartoffeln hier. Und die sind total weiß von innen. Komische Sache!

Kiwi-English


Großartiger Dialekt hier: Es gibt nur freundliche Vokale, viel mit iiiiii wie siiiiiven (7), Biiiiiiid (bed), tiiiiiin (10)

Es dauert allerdings ne Weile, bis man das versteht und langsam reinkommt, auch ein bisschen so zu reden. Nicht, weil der Dialekt so toll ist, sondern weil die einen dann besser verstehen hier.

Also, so geht es:

Glücklicherweise für den Deutschen rollen die Kiwis in den allermeisten Regionen das R nicht so rum wie die Amis. Es wird eigentlich nur am Anfang einer Silbe wirklich betont, am Ende nicht. Car ist zum Beispielt nicht "carrrrr" wie im Amerikanischen, sondern einfach nur "ca".

Neben den wunderlichen Vokalen (iiiiii, siehe weiter oben) muss man die letzte Silbe oder Buchstaben eines jeden Wortes verschlucken und direkt geschmeidig ins nächste Wort gleiten.

Das geht mit relativ wenig Aufwand, indem man beim Reden die Hand vor den Mund hält und reinnuschelt. Kann man aber nicht überall unauffällig machen, ohne in Erklärungsnot zu kommen. Also muss man das Üben. Für den Gelangweilten hier einige Übungsaufgaben.

Falsch: "I´d like to have a cup of chocolate."

Richtig:  a) "I lido havey cao chocla."
             b) "I lido havey coppa chocla."

Flasch: "Excuse me, could you tell me the way to the next bus stop?"

Richtig: "Iiiixcuseme, couyou temede way tothe niiik (oder niiix) buss(t)o?"

So, beliebig fortsetzbar....

Noch so ne Kiwi-Marotte ist der exzessive Gebrauch des Wörtchens "ey" bzw "ay".


Anwendungsgebiete:

1. Es wird verwendet anstelle von "Excuse me, I didn´t understand/hear that. Could you please repeat what you said?"

2. Es ersetzt das deutsche "..., oder?" am Ende eines Satzes. Haben wir in der SChule mal anders gelernt in Englisch, ist aber...

Falsch: "The weather is nice today, isn´t it?"

Richtig: "The weather´s nicetday, ay?"

Man könnte nun meinen, die Kiwis wären unkommunikativ. Sind sie aber nicht, im Gegenteil, die sind im Schnitt um einiges gesprächiger und kontaktfreudiger als die Deutschen, aber zu faul, ordentlich zu reden.

Macht aber nix, die wissen das selber auch. Wenn man sie nicht versteht, wird man schonmal angegrinst und die sagen dann selber "jaja, Kiwi-English, wir wissen´s...."  und reden dann auch schon mal deutlicher und langsamer, wenn man drum bittet, und zwar für genau 3 Sätze, bis sie es dann wieder vergessen haben, dass ihr Dialekt für Ausländer (auch andere Englischsprecher!!) ne harte Nummer ist.




Medien


Die Wettervorhersage
1. Vorhersage sollte dringend zu "Vorhervermutung" geändert werden, um Erwartungshorizont des Zuschauers und die tatsächliche Trefferquote in Einklang zu bringen.
2. Hab noch nie so viel im Fernsehen übers Wetter gehört wie hier. Es gibt sogar nen eigenen Wetterkanal.
3. In den Zeitungen und auf der NZ-Wetterseite sind unter der Wettervorhersage für die einzelnen Regionen Vorschläge, was man anziehen sollte: "Wellington, 10 Grad, 2 Lagen Kleidung und eine winddichte Jacke, geschlossene Schuhe."  Dankeschön! 
Aber wie bereits erwähnt, es laufen trotzdem alle in Shorts und T-Shirt rum. Vielleicht ist die vorgeschlagene Kleiderordnung eine Art staatliche Intervention zur Krankheitsvorbeugung im Herbst und Winter?!

Es gibt hier nur 5 TV-Kanäle, davon einer auf Maori. Wer mehr will, hat Pay-TV Sky.
Zufällige fiktive Nachrichten könnten so aussehen:
"Heute wurde in Whangarei ein Hund gerettet, der in eine Baugrube gefallen ist." - "Wir haben im Fiordland erfolgreich über mehrere Tage einem Kiwi beim Brüten zugeguckt." - "Bauer Jack Johnson aus der Nähe von Wellington hat die größten Kartoffeln dieses Jahr." - "Diese Saison sind Sie modisch besonders up to date, wenn Sie ihre Heuballen in blaue Folie einrollen."
Keine langweilige Politik oder brutale Kriegsberichterstattung. Hier ist man am Arsch der Welt und es passiert einfach nix und das ist auch gut so.


Flora und Fauna

Es gibt Känguruhs in Neuseeland!


Es gibt keine gefährlichen Tiere in Neuseeland, sagt man. Von den Sandflies erzählt einem einfach lieber mal keiner.. Kleine, schwarze Fliegen, deren Bisse vom Juckfaktor her jeweils für 3-4 Mückenstiche durchgehen. Und von den Viechern gibt es Milliarden...

Ein ganz eigenes Kapitel ist die Jagdkultur in Neuseeland.
Hier gibt es zahlreiche vom Menschen eingeschleppte Tierarten, die die heimische Fauna und Flora massiv zerstören und sich rasant vermehren, was man möglichst verhindern will, seit man erkannt hat, wie dumm es war, Tiere von außerhalb mitzubringen.
Die neuseeländische Antwort auf diese Invasion heisst (neben Giftködern): Zum Abschuss freigegeben. Hier weicht kein Mensch Hasen, Possums, Wildschweinen, Rehen oder den anderen "pests" aus, nein, da wird mit dem Auto voll draufgehalten und gejubelt, wenn man eins überfahren hat.
Außerdem darf hier jeder jagen gehen, wie es ihm passt. Waffenschein ist schnell erledigt, Knarre gekauft, und ab in den Wald. Keine Schonzeiten, keinerlei Beschränkungen bei Säugern (die allesamt eingeschleppt sind), nur nix Heimisches abschiessen, das kann bis zur Gefängnisstrafe geahndet werden.
 Da die meisten dieser Tiere nacht- oder dämmerungsaktiv sind, ist von einem Nachtspaziergang im Wald abzuraten, wenn man keine Lampe hat, durch die man deutlich sichtbar ist.
Paradoxerweise haben super viele Leute Katzen und Hunde, die ja auch eingeschleppte pests sind. Besonders auf das Konto frei laufender Katzen geht ne ganze Menge Todesfälle einheimischer Vögel. Aber die sind halt niedlich, vielleicht ist das das Kriterium?


Architektur und Lifestyle

Der Winter kommt, die Temperaturen sinken auf unter 10 Grad, machen wir doch mal langsam die Heizung an.
Heizung?? What´s that? Gibt´s nicht.

Hier stehen Öfen wie zu Ommas Zeiten in den Wohnzimmern und alle anderen Räume bleiben halt einfach kalt. Pech gehabt. Das erklärt auch, warum die hier immer in Sommerklamotten rumlaufen, auch wenn es schon echt kalt ist abends: Die sind einfach an Kälte gewohnt und haben Frieren vergessen. Ich friere im Übrigen auch immer weniger. Man gewöhnt sich echt dran.


Die haben nicht nur keine Heizung, nein, Isolierung ist auch völlig unbekannt, genau so wie ordentliche Steinhäuser. Die bauen hier einfach aus...ja, aus was eigentlich? Gute Frage. Hab Rohbauten gesehen, das sind simple Holzgestelle. Ich glaube, die Wände sind nur zwei Lagen Spanplatten mit Leitungen dazwischen. Ist auf jeden Fall dünn wie Pappe und lässt wenig Spielraum für Phantasie was die Körpergeräusche der Mitbewohner betrifft.

Was wiederum erklärt, warum sich hier kaum einer scheut in der Öffentlichkeit laut zu rülpsen, weil das ja eh jeder dauernd hört - zwangsläufig.

Die Häuser hier haben alle nur eine Etage (außer in größeren Städten im Zentrum), sehr praktisch, aber auch klar, wenn man aus Pappe baut. Da Neuseeland nicht besonders dicht besiedelt ist, kann man relativ erschwinglich größere Grundstücke und Häuser kaufen.

Habe mal so gefragt, und habe für Invercargill Immobilienpreise zwischen 55.000 und 220.000 $ (ca. 25.000 / 140.000 € glaub ich) für Haus mit großem (!) Grundstück gehört, wobei ersteres noch einige Handgriffe erforderte und letzteres superschick komplett renoviert war. Ein anderer Typ in Marlborough will seine Farm loswerden - ein ganzes Tal inklusive riesengroßem Haus für ca. 1 Million Euro. Und man muss auch nicht so solvent sein wie in Deutschland für einen entsprechenden Kredit, ist hier lockerer. Wie alles.
Also, lohnt!

Die Manta-Welle
Wie in allem ist Neuseeland die ein oder andere Dekade hinter dem Rest der westlichen Welt, so ist das Boy-Toy-Auto-Phänomen zu vergleichen mit dem, was in Deutschland mal die Manta-Welle war, nur mit moderneren Autos. Prinzip ist aber das gleiche: Man motzt ein ansonsten unspektakuläres Auto so auf, dass es zwar nicht mehr kann, aber fetzig aussieht und ne Menge Lärm macht beim Fahren. Aus irgendeinem grund ist hierzulande ziemlich häufig ein sehr auffälliges Neongrün die Farbe der Wahl.

Wird fortgesetzt....

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