Juhu!
Es ist vollbracht, wir haben den Absprung geschafft. Nach 2
1/2 Wochen mit Sanson als Ausgangspunkt für J.´s Jagdausflüge geht es nun
endlich weiter.
Sansons war so gesehen cool, als dass ich ein eigenes Zimmer
hatte und es echt nett war, dass wir dort so richtig abwohnen konnten. Sehr
nett und großzügig von unserem Gastgeber.
Allerdings war Sanson echt ein Drecksnest im Nirgendwo. 500
Einwohner, wo dein Vater gleichzeitig auch noch dein Schwager, Opa, Nachbar und
Arbeitgeber ist oder so. Wäre wenigstens noch das Land drumherum total dufte
gewesen, wäre ja alles in Ordnung gewesen, aber das war nur langweiliges
Farmland. Naja, gut, es geht ja jetzt weiter und darum sei nun genug über
Sanson gelästert...
Die erste Station war Masterton, weiter im Südosten von
Sanson aus gesehen. Da haben wir bei P. und ihrer Mitbewohnerin gewohnt. Die
waren beide sehr nett. Beide Britinnen, die hier versackt sind, seit sie auf
die Idee kamen, dass arbeiten in Europa viel zu stressig und nervig ist und man
auch nicht wesentlich mehr Geld bekommt als hier.
Mit P. sind wir dann zu einer Jagd in der näheren Umgebung
gefahren, die ein großes Highlight im Schlamm war. An großen Teilen der
Ostküste der Nordinsel hat es diesen Sommer und Herbst weitaus mehr geregnet
als normal üblich, weswegen es total viele Schlammlawinen und permanente
Matschgruben gibt. So auch dort.
Ich konnte in meiner Position als Babysitter leider nicht
verhindern, J. am Ende der Jagd zwei komplett beschlammte Kinder zu
präsentieren, da die beide anfangs dauernd ausgerutscht und umgefallen sind.
Sah lustig aus. Hab sie dann im Dreck spielen lassen, weil das toll ist und es
eh nicht mehr drauf ankam. Manchmal wär ich auch gern nochmal 4 Jahre alt.
Die Umgebung war im übrigen wahrscheinlich genau so, wie ihr
euch das Klischeeneuseeland so vorstellt - sanfte grüne saftige Grashügel mit
Schafen:
Von dort aus ging es weiter nach Waipukurau, wo ein
befreundetes Ehepaar von J. wohnt, K. und G.
Auch hier wurde es wieder schlammig.
An einem faulen freien Tag dachte ich mir, ich geh mal zum
Fluss und folgte von dort dem Wanderweg in die Stadt, gut 5 km pro Strecke hin
und zurück.
Das war so ein cooler breiter Fluss mit ausgedehntem
Kiesbett, die es hier ziemlich oft gibt. Hier wird nicht so viel begradigt wie
in Deutschland. Aber wozu auch, hier wohnen ja auch nicht viele Leute. Darum
kann man durch die breiten Flussbetten klettern (außer bei Hochwasser).
Da gab´s auch Hügel mit lustigen Frisuren, der Mond war irgendwie
auch schon da. Komische Sache.
Der Weg führte also am und im Fluss entlang, um dann auf
einmal in immer dichter werdendes Gestrüpp zu münden. Ich dachte mir, das geht
schon vorbei, wird wohl nicht so gepflegt, der Weg.
Aber es war nicht vorbei. Es wurde immer dichter und dann
kamen auch noch Dornensträucher hinzu.
Irgendwann hatte ich mich glücklicherweise zur angrenzenden
Weide durchgekämpft. War halb so wild. Besser jedenfalls, als die ganze Strecke
zurück zu laufen und dann der Straße in die Stadt zu folgen, dachte ich mir.
Die Weide sah ganz normal und gut aus, aber da hatte sich dann doch leider mein
neuer Freund Schlamm unter einem Haufen trockenem Laub versteckt, so dass ich
aus dem Nichts heraus etwa knöcheltief eingesunken bin. Zu meinem großen Glück
bin ich nicht stecken geblieben und meine Schuhe auch nicht, so dass ich da
einigermaßen zügig wieder raus kam, wenn auch komplett bis zur Hüfte
vollgespritzt mit Schlamm..
Als ich in der Stadt ankam, guckten mich die Leute
allerdings wie eine Attraktion an: Das Schlammmonster aus dem Sumpf ist da....
Am nächsten Tag fuhren wir nach Dannevirke zu einer Jagd.
Die Sonne schien, es war ein herrlicher Tag, nur wenige
Schlammpfützen, die zu betreuuenden Kinder in guter Laune, wunderbar.
Schön war es dort auch:
Wir sind draußen spazieren gegangen und wollten gerade zum
Truck zurück gehen, um Sachen für ein Picknick
zu holen, da wir dachten, es sei noch viel Zeit. Da standen J. und ihr
Kumpel Jo mit ihren Pferden bereits am Truck und wollten los. Jo war vom Pferd
gefallen. Schulter und Schlüsselbein gebrochen, stellte sich später heraus.
Er wollte wohl eine neue tolle Sprungtechnik mit seinem
Pferd ausprobieren, aus dem Lauf über
den Zaun, aber über den Zaun geflogen ist nur er allein und dann auf nem Stapel
Bretter gelandet. Dumm gelaufen.
Nun ja, nun sind alle Wunden geleckt und versorgt und es
ging dann auch am nächsten Tag weiter von Waipukurau nach Gisborne. Im
Horsetruck. Der sieht im Übrigen so aus (wurde jetzt schon mehrfach gefragt):
Über die Rampe steigt das Pferd vorne ein, wie man sich
denken kann. Wenn das Pferd draußen ist, kann man die Küchenzeile im Truck
verschieben, so dass der Abschnitt für das Pferd fast komplett verschwindet und man einen
Koch-Wohn-Essbereich hat. Den Essbereich kann man nochmal umbauen und dann ist
da ein großes Bett. Ein zweites Bett ist unter der Truckdecke montiert, das
kann man runterziehen. Und es gibt noch ein drittes Klappbett in einem Schrank.
Also insgesamt 6 Schlafplätze, weil das alles große Betten sind.
Achso, man wäscht den Pferdebereich natürlich mit Schüppe,
Gartenschlauch und Besen, bevor man die Küchenzeile verschiebt. Wäre sonst
fies.
Das nächste Ziel war Gisborne. Beziehungsweise, da es ja
darum geht das ländliche Neuseeland mit dem Truck zu befahren, war es in der
Nähe von Gisborne. Mehrere Kilometer weit außerhalb konnten wir bei B., einem
Freund von J. unterkommen. Sogar mit Schlafplatz im Haus, welches ziemlich
geräumig und auch gemütlich war. Und eine Terasse mit nettem Ausblick hatte:
Der Farmer fuhr dort mit seinem Quad rum, was mit das Glück
bescherte, auch mit seinem Quad rumfahren zu können. Das war ziemlich cool,
wenn ich mal groß bin und 2000 Hektar Land habe, kaufe ich mir auch nen Quad,
um dort rumzufahren.
Hab vor lauter Nieselregen und Quad fahren aber nur bei
einem abendlichen Spaziergang im Vollmond ein Bild vom echt schönen Farmland
gemacht. Schöne saftige grüne Hügel.
Aber auch im Mondlicht ganz schön:
Tja, von dort aus waren wir bei der ein oder anderen Jagdveranstaltung.
Alles voller Matsch. Elendig nasser Boden hier im Winter. Keine Ahnung woher
das kommt, regnet gar nicht so krass. Werde mal recherchieren. Vielleicht.
Diesmal hat der jüngere von J.´s Söhnen aus Versehen einen
nahezu eleganten Vorwärtssalto in einen Matschgraben gemacht. Aus dem
wankenden Laufschritt eines Zweijährigen ist das aber auch eine ziemlich
Herausforderung, nicht auf die Nase zu fallen unter diesen Bedingungen. Sah
lustig aus. Der Kleine teilte meine Meinung nicht sogleich, als er von Scheitel
bis Sohle heulend aus dem Graben gekrochen kam und gleich nochmal reingerutscht
ist, damit der arme Bauch nicht schlammfrei bleiben musste. Später hat er sich
aber drüber gefreut und nochmal in ne Schlammpfütze geschmissen.
Kinder in Neuseeland haben schon mehr Spaß als die
europäischen Großstadtkinder glaub ich. Die Eltern sind hier einfach nicht so
übervorsichtig. Hier wird draußen im Dreck auf der Straße gespielt, das gehört
sich so. Wird einem hier jeder erzählen. Gute Sache!
Besser als Fridolin-Morgenthau
bei 30 Grad mit Wollmütze an der Leine in den gepflasterten ausgekehrten
Vorgarten zu lassen.
Jo, der Pferdetruck sah dann doch jetzt anders aus als in meiner Vorstellung :) Cooler Schlammbericht! Grüße aus Bonn, Vreni
ReplyDeleteDer sah in meiner Vorstellung auch anders aus. Aber dafuer ist er selbst gebaut, was ich persoenlich viel cooler finde als nen Schickimickitruck.
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