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Wednesday, 28 March 2012

An adventure above the clouds

Die "Great Walks" sind neun besonders ausgezeichnete Wanderwege in Neuseeland, die recht gut ausgebaut sind, an denen es vernünftig ausgestattete Hütten gibt und die jeweils besonders beeindruckende Landschaften durchkreuzen. Drei davon sind hier in Fiordland, einer davon - der Kepler Track - beginnt direkt in Te Anau und ist praktischerweise ein Rundweg, so dass ich ihn an einem Wochenende laufen konnte ohne die Sorge, wie ich wieder hierhin zurück komme, um am Montag zu arbeiten.
Der Kepler Track...61 Kilometer...schöne Wiesen, das Seeufer des Lake Te Anau - mal steinig, mal Sandstrand - , Birken- und Buchenwälder, Regenwald, Steppe, Sumpf und Berge, von (fast) allem ein bisschen. Der musste gewandert werden!


Etappe 1: Te Anau nach Luxmore Hut, 15,8 km

Sonnenschein! Schnell nach der Arbeit noch was gegessen, Rucksack aufgeschnallt, und los geht´s!
Die erste Etappe führte an schönen Wiesen und später an Wäldern vorbei am Ufer des Lake Te Anau. Nach gut 8 Kilometern hieß es dann: Ab auf den Berg!
In zum Glück nur mäßig steilen Serpentinen führte der Weg von ca. 300m auf 1100 m hoch in die Berge. Der Wald veränderte sich von schönen üppigen Farn- und Laubwäldern zu einem komplett mit Moos überwachsenen Birkenwald, der sehr mystisch aussah. Relativ weit oben fanden sich noch steile Kliffe, die sehr imposant aussahen. 

 
Nach einem schier unendlich scheinenden Aufstieg kam ich endlich oben an. Hier war alles von kleinen knietiefen gelben Büschen bedeckt, so dass die Bergkuppe aussah wie eine Steppenlandschaft. Sehr rauh und sehr schön. 


 
Die Aussicht von da oben war atemberaubend: Man konnte über diverse Voralpen-Gebirgszüge und die Alpen selbst gucken, die Luft war absolut klar. Das Licht fiel durch Löcher in der Wolkendecke auf die umliegende Landschaft, was wunderschön aussah. Stundenlang hätte ich dort stehen und einfach gucken können. Okay, hab auch ziemlich lang da rumgestanden und einfach geguckt. Super!
Auch der Blick in den Fiord links war wunderschön. Da war dann auch die erste Hütte, nach 6 Stunden ein willkommener Zufluchtsort - erstmal schön was kochen!





Etappe 2: You don´t challege the mountain, you challenge yourself!


Die Southern Alps sind ja nicht gar so hoch wie die europäischen. Haben wir unsere Drei- oder Viertausender, stehen hier in der Region gerade mal Berge von gut 1500 Metern Höhe. Kann ja klimatisch nicht sooo wüst sein, denn: je höher, desto kälter und windiger, also alles nicht so schlimm?!?!
Neuseelands Alpen allerdings sind das erste, wo der Wind nach unzähligen Kilometern überm offenen Ozean trifft, also: volle Breitseite den Urgewalten ausgeliefert.
Was das genau bedeutet, zeigte sich auf dieser Etappe - 14,6 Kilometer über die Berggrate der Kelper Mountains.
Zu Beginn regnete es und es war ein wenig windig.
Auf dem ersten Sechstel der Bergüberquerung entwickelte sich der moderate Wind und Regen zu einem ziemlich üblen Sturmtief. Trotz Regenjacke und -hose (einer aus der Gruppe hatte sogar zwei solcher Lagen an) war ich nach vielleicht zwanzig Minuten bis auf die Knochen nass, es lief einfach überall rein. Regen bei 90 und mehr Stundenkilometern Windgeschwindigkeit (haben wir dann unten an der Hütte erfahren) fühlt sich an wie Geschosse auf der Haut. Einschusslöcher auf der Regenjacke hätten mich nicht überrascht.
Da die Wanderung über den Berggrat führte, war ich die ganze Zeit dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Ließ der Wind kurz nach, hieß es: rennen! In den schlimmsten Phasen (heftiger Wind plus Steigung) musste ich dafür dann auf allen Vieren den Berg hoch. Wäre man in dem Wind hoch gesprungen, wäre man weggeweht worden. Der Wettergott meinte es wirklich nicht gut mit mir und sandte dann auch noch Hagel und Schneeregen. Hätte ich doch mal mein Mittagessen aufgegessen!
Zum Glück gab es auf der Strecke zwei Schutzhütten, in denen man mal den See aus den Schuhen auskippen und die Socken auswringen konnte, was immerhin circa 2 Minuten was genutzt hat.
So wurde die Bergüberquerung dann zur echten Herausforderung. Sozusagen zum Kampf mit sich selbst und den Elementen.
Das Gute: Unter diesen Bedingungen gibt es immerhin keine Sandflies!!
Das andere Gute: Mann, sah das auf dem Berggrat aus! Die Landschaft war einfach unglaublich! Da glaubt man doch glatt an nen Schöpfergott, der angeben wollte.
Hätte das Wetter mitgespielt, hätte ich wahrscheinlich ewig gebraucht für den Weg, weil ich überall stehen geblieben wäre und Bilder gemacht hätte. So habe ich leider nur ein Bild vom Berggrat ganz am Anfang gemacht, bevor es so schlimm wurde:


Ansonsten gibt es vom Department of Conservation ein Video des Tracks, das immerhin ein paar schöne Ausschnitte des Alpenabschnitts zeigt:

 
Der Abstieg führte dann wieder durch den Wald in endlosen steilen Serpentinen. Durch den Regen waren überall Wasserfälle, an denen und durch die man seinen Weg fortsetzte. Der Blick ins Tal war ziemlich super.


Etappe 3: Iris Burn Hut nach Rainbow Reach, 22,2 Kilometer

Morgens nach dem Aufwachen zeigt sich dann, was der Wettergott im Sinn hatte mit dem schlimmen Wetter: Die Berggipfel waren alle schneebedeckt. Herrlich!
Hieß natürlich auch, dass wir im Tal morgens nur 3 Grad hatten oder sowas. Kalt auf jeden Fall.
Nun ja, der Rest des Weges war zwar lang, aber dafür nur einigermaßen flach.
Leider waren meine Klamotten nicht getrocknet über Nacht. Noch ein kompletter Wandertag in nassen Wanderschuhen, das würde seinen Tribut fordern an meinen ohnehin schon geschundenen Füßen (Blase an der Ferse, aua).
Der Weg führte durch den Wald in ein tief eingeschnittes, U-förmiges Tal und dann wieder in den Wald, dessen Aussehen sich dauernd änderte.








Das Tal war ein echter Hingucker mit seinen zahlreichen kleinen Wasserfällen durch den Regen am Vortag und einem großen Erdrutsch. Und dem Schnee natürlich.
Hab nen großen Greifvogel gesehen (Adler?) und Keas gehört (die rufen ihren Namen). Außerdem war ein Robin (so´n kleiner brauner Vogel) ein Stückweit mein Weggefährte. Die sind ziemlich neugierig und kommen bis an die Zehenspitzen, wenn man stehen bleibt. Sehr putzige Tierchen.


Da es hier ja ziemlich viel regnet in den Tälern (bis zu 8000 mm im Jahr - zum Vergleich: Bonn ca. 800mm) ist es hier ziemlich feucht in den Wäldern und daher alles mit Moos überwuchert und außerdem auch alles voller Pilze in allen möglichen Farben von tiefschwarz über knallrot zu lila (!).



Achja, und da war dann noch mein erster bewusst wahrgenommener Herr der Ringe Drehort. Okay, es stand in der Kepler Track Broschüre. Keine Ahnung, ob ich das sonst erkannt hätte. Da hier im Fiordland an total vielen Stellen gedreht wurde, waren bestimmt schon mehr Drehorte dabei, zumal hier fast jeder Wald Fangorn oder der Elfenwald sein könnte, genau so wie der Bergkamm da oben derjenige sein könnte, über den die Gefährten gelaufen sind (halt nur mit Schnee) ...wer weiß...
Also hier, die Dead Marshes, das Moor vor Mordor. Irgendie nicht gar so bedrohlich und mystisch im Sonnenschein.

 
Bin dann von Rainbow Reach aus von ner Passantin im Van mit zurück nach Te Anau genommen wurden. Meine Ferse ist komplett offen bis aufs rohe Fleisch, auaua, darum bin ich das letzte Stück bis ins Dorf nicht mehr gelaufen. Aber da war ich eh schon mal für nen Tagesausflug, also auch egal.



Ja, krasse Nummer insgesamt. Sollte man aber mal gemacht haben, nur nicht mit so fiesem Mistwetter!

2 comments:

  1. klingt krass... nass :-)
    Cool das du soviel wandern gehst, da siehste was vom land. hier ist das wetter auch gerade wieder schlechter geworden. hoffe mal zu ostern wird es wieder besser. wann geht´s denn auf die nordinsel?
    Rock on Tanja. Der G

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  2. Ja, JETZT ist das Wetter hier auch wieder großartig, nachdem ich den Track gewandert bin :-) Über 20 Grad, strahlender SOnnenschein, ich bin soooo braun!
    Nordinsel...joar...irgendwann dann...wenn´s hier zu kalt wird...

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